

Glas
Zusammensetzung:
Glas wird aus Quarz (Quarzsand), Pottasche und Kalk erschmolzen.
Quarz: kristallines, weißes Siliziumgestein wird zu Quarzsand zermalen - Schmelzpunkt 2000 Grad. Im Bayer. Wald gibt es natürliche Quarzvorkommen (z.B. der weltweit einmalige “Pfahl“). Dieser zieht sich quer durch den Wald von Kirchberg über Regen (Weißenstein), Viechtach (Antoniuspfahl) bis in die Oberpfalz hinein. Der Bayerwaldquarz ist leicht eisenverunreinigt und bringt deshalb eine leicht grünliche Glasfärbung mit sich (früher Waldglas genannt). Der Pfahl steht heute unter Naturschutz und darf nicht mehr abgebaut werden. Die heute verwendeten Quarze kommen aus den Bene-LuxLändern und aus Jugoslawien.
Pottasche: Wurde früher aus Holz, vornehmlich aus Buchenholz, welches verascht (verbrannt) wurde, hergestellt. Die so gewonnene Asche wurde gesotten, bis weiß-kalzinierte Pottasche übrig blieb. Die Pottasche dient als Flußmittel und setzt den Schmelzpunkt des Quarzsandes von 2000 Grad auf 1450 Grad herab. Die Ascheherstellung verbrauchte wahnsinnige Mengen an Holz. Um 1 Kg Pottasche herzustellen mußten ca. 2 Ster Holz verbrannt werden. Um eine komplette Schmelze mit ca. 2 Zentner Glas machen zu können, waren ungefähr 70 Ster Holz notwendig. Das dürfte auch der Hauptgrund der Ansiedlung von Glasherstellung im Bayer. Wald gewesen sein. Heute wird Soda anstatt Pottasche verwendet.
Kalk: Kalk dient als “Härtemittel“ und erzeugt eine gute Festigkeit des Glases. Dieser wurde früher aus den Donauregionen (Regensburg, Kehlheim) geliefert.
Glasschmelze: Die oben genannten Rohstoffe werden in einem bestimmten Verhältnis vermengt (Gemenge) und in einem Schamott-Tiegel (i.d. Fachsprache “Hafen“ genannt) bei 1450 Grad über 10 Stunden hinweg erschmolzen. Hierbei handelt es sich um Kristallglas.
Bleikristall: Zu den Grundstoffen wie bei Kristallglas wird beim Bleikristall noch 24 % Bleioxyd beigemengt. Dadurch wird der Lichtbrechungsfaktor verändert. Bleikristall funkelt im Licht in allen Regenbogenfarben und das Glas wird wesentlich schwerer. Wird eine sehr hohe Stückzahl an Farbglas benötigt, wird eine komplette Schmelze im Hafen eingefärbt. Benötigt man nur einzelne farbige Gläser oder Farbglasteile, wird der Posten in farbigem Glas-Staub (zermalenes Farbglas) mehrmals gewälzt. Überfangtechnik: ein farbiger Glasmantel wird über den Posten aufgestochen und verschmolzen - mehrere Farbschichten (Mehrfachüberfang) möglich.
Werkzeuge
Die Schere: Sie hat eine etwas andere Form wie eine Haushaltsschere und dient zum Beschneiden von überflüssigen Glasmengen.
Das Zwackeisen: Ist eine pinzettenartige Zange mit kurzen Greifspitzen (kommt von zwicken, zwacken, fassen). Damit wird das Glas vorgeformt oder auch Verziehrungen an Applikationen hergestellt (Wacklband).
Die Auftreibschere: Eine pinzettenartige Zange mit langen Greifspitzen. Dient zum Auftreiben und Ausweiten von Öffnungen (die Greifspitzen werden in das Blasloch eingeführt und die Glasmasse damit nach aussen gedrückt, aufgetrieben).
Das Wulgerholz: Das Wulgerholz besteht aus einem nassen Buchenholzklötzchen in welches eine Höhlung gedrechselt wurde (ähnlich wie ein Schöpflöffel). Zur besseren Handhabung wird ein Stiel befestigt. Mit dem Wulgerholz wird die feuerflüssige Glasmasse auf der Pfeife gleichmäßig verteilt und zentriert. Durch die Nässe entsteht zugleich ein Kühleffekt, d.h. die Glasmasse wird stabilisiert.
Der Model: Ein nasses Stück Buchenholz, in welches die Form des zu erstellenden Werkstückes hohlgedrechselt wurde. In der Mitte aufgeschnitten, mit einem Scharnier versehen. Die endgültig benötigte Glasmasse wird in diese Form unter ständigem Drehen der pfeife “eingeblasen“ .Durch die Nässe des Holzes entwickelt sich zwischen dem heißen Glas und dem Model ein dünner Dampffilm. Auf diesem “schwimmt“ sozusagen die Glasmasse und wird dadurch wunderbar glatt.
Der Optische: Ein Hilfsmittel mit an zwei Eisenreifen befestigten, senkrecht stehenden Rippen. Wird das Glas vor dem Einblasen in das Gerippe getaucht, hinterlassen die Rippen Spuren im weichen Glas. Beim Einblasen entstehen dadurch schöne Strukturen und Muster.
Das Hefteisen: Eine Stahlstange zur Glasentnahme aus der Schmelze um z.B.. an die Kuppa einen Siel ansetzen zu können. Auch beim Umheften des Werkstückes wird ein kleiner Glasbatzen (‚‘Nabel‘‘) mit dem Eisen vorbereitet und das Werkstück auf das Hefteisen übernommen. Die Blaspfeife wird nach dem anheften (‚‘Nabel ansetzen“) vom Werkstück getrennt. Erst danach kann mit der Auftreibschere eine Öffnung erzeugt werden
Traditionelle Glastechniken
Spinnen: Auf das Kölbel wird ein farbiger Glasfaden aufgedreht (auf gesponnen) und dann mit mehr klarsichtigem Glas überstochen. Das ergibt im Werkstück ein spiralartiges Muster.
Reißen: Mit einem kleinen Metallhaken wird dieser auf gesponnene, geschmeidige Glasfaden nach oben oder unten verzogen (“gerissen“). Im fertigen Werkstück entsteht dadurch ein schönes Muster.
Schleudern: Wird die pfeife mit heißem Glas schnell geschwenkt (geschleudert) dehnt sich die Glasmasse in die Länge. Wärmt man ein bereits aufgetriebenes Werkstück an der Öffnung stark ein und versetzt die Glaspfeife in schnelle Rotation (“schleudern“), öffnet sich das Werkstück durch die Fliehkraft Selbständig.
Bänder u. Fadentechniken: Verschiedenfarbige Glasfäden werden aneinander geschmolzen und in sich verdreht (Stangerl werden auf Vorrat hergestellt). Diese Stangerl werden erhitzt und auf das Kölbel aufgebracht und mit Klarglas überzogen (gutes Verschmelzen). Beim Ausformen des endgültigen Werkstückes entstehen filigrane Muster.
Kröseln (Schwartenmagen): Farbglas wird zu Glassplittern zerschlagen. Das Kölbl oder der Posten werden in diesen Farbglassplittern gewälzt und verschmolzen. Auch hier entstehen schöne Farbkombinationen.
Optisch machen: Siehe oben, der Optische
Überfangen: Heißt, klarsichtiges Glas mit einer Farbglasschicht überziehen. Siehe Glas färben.
Farbig überfangen, gesponnen mit Nuppen: Das Bild zeigt sogenannte “Zwieseler Haferl“ - die Glasmacher haben sich in früheren Zeiten ihr Geschirr selbsthergestellt. Das geschah während der Brotzeit oder der Mittagspause und wird “Schinden“ genannt. Es ist nicht überliefert ob der Ausdruck “Schinden“ von der zusätzlichen körperlichen Anstrengung (Schinderei) oder von der geschundenen Materie Glas kommt.
Kelch, grün überfangen, geschliffen und graviert: Veredelungstechniken: Das Herstellen des Kelches als Rohglas wird am Ofen gemacht. Danach wurde dieses Glas veredelt. Zuerst wird der Schliff angebracht, dann erfolgt die feinere Gravur. Der Schliff erfolgt mit verschiedenen Stein- und Korund- und Diamantscheiben. Die Gravur ebenso, aber mit kleineren Stein- und Diamanträdchen. Früher wurde auch mit Kupferrädchen graviert (noch heute die edelste Gravurart). Zu den Veredelungstechniken zählt auch die Glasmalerei. Feinstes Glasfarbpulver wird mit Bindemitteln versehen, aufgemalt und dann eingebrannt. (hauptsächlich florale und figurale Darstellungen. Vase, emailweiss überfangen, gesponnen und mit Batzen versehen.